Myokarditis – Herzmuskelentzündung im MRI erkennen

05. April 2023
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Autor:in
Marcel Sokolowski
Facharzt für Radiologie
Experte für kardiale Bildgebung
Inhaltsverzeichnis
Eine Herzmuskelentzündung kann unterschiedliche Ursachen haben. Am häufigsten entwickelt sie sich jedoch durch eine virale Infektion – etwa nach einer Grippe oder nach Magen-Darm-Erkrankungen. Dabei entzünden sich die Herzmuskelzellen, was zu einem Funktionsverlust mit resultierender Herzschwäche führen kann. Die Myokarditis gilt als das Chamäleon unter den Herzerkrankungen, da die Beschwerden oft unspezifisch sind. In der Magnetresonanztomographie (MRI) ist sie jedoch mit hoher Sicherheit zu erkennen.

Symptome einer Myokarditis

MRT Herz bei ARISTRA Illustration

Eine Herzmuskelentzündung geht meist mit leichten Symptomen einher, kann jedoch auch schwere Verläufe annehmen. Das Spektrum reicht dabei von Abgeschlagenheit bis hin zum plötzlichen Herztod in schweren Fällen. Komplizierte Verläufe können insbesondere dann auftreten, wenn eine Myokarditis nicht erkannt wird und dem Herzmuskel keine Gelegenheit zur Erholung gegeben wird. Häufige Symptome einer Herzmuskelentzündung können sein:

  • Herzstolpern
  • Atemnot
  • Schmerzen in der Brust
  • Erschöpfung
  • geringe Belastbarkeit

Gut zu wissen: Eine leichte Herzmuskelentzündung heilt zwar häufig von selbst ab, jedoch sollten körperlicher und psychischer Stress während der Erkrankung vermieden werden. Häufig verschreibt die/der Kardiolog:in Medikamente, die das Herz vor weiterer Belastung schützen.

Ursachen einer Herzmuskelentzündung

Die Ursachen einer Myokarditis sind vielseitig. Am häufigsten liegt die Ursache in einer Infektion. Dabei verursachen Viren deutlich häufiger Herzmuskelentzündungen als andere Erreger, wie z. B. Bakterien oder Pilze. Vor allem Patient:innen, die sich während eines Infekts nicht ausreichend schonen oder zu früh wieder in die Arbeit und den Alltag starten, haben ein erhöhtes Risiko für eine Herzmuskelentzündung. Zudem gibt es eine große Bandbreite nichtinfektiöser Ursachen, die von Autoimmunerkrankungen bis hin zu verschiedenen Toxinen reicht.

Was passiert bei einer Herzmuskelentzündung?

Die oben genannten Ursachen führen über verschiedene biochemische Wege zur einer Störung der Funktion der Herzmuskelzellen. Gleichzeitig kann dabei Flüssigkeit ins Gewebe austreten und ein so genanntes Ödem entsteht. Die Kontraktionsfähigkeit des Herzens ist eingeschränkt ebenso wie die Weiterleitung von Signalen an die betroffenen Abschnitte des Herzens. Je nach Ausprägung der Entzündung kann das Herz weniger Blut pro Herzschlag pumpen und eine Herzschwäche entsteht. Die linke Herzkammer ist dabei deutlich häufiger betroffen als die rechte Kammer und es kann zu einem begleitenden Erguss im Herzbeutel (Perikard) kommen. Betrifft die Entzündung auch den Herzbeutel, spricht man von einer Perimyokarditis.

Eine Herzmuskelentzündung kann unterschiedliche Verlaufsformen annehmen. Im besten Fall heilt die akute Erkrankung folgenlos ab. In anderen Fällen können Narben des Herzmuskels zurückbleiben oder die Erkrankung geht in einen chronischen Zustand über, bei dem die Entzündung in den Herzmuskelzellen verbleibt. Die chronische Form und schwere akute Fälle können zu einer irreversiblen Erweiterung des Herzens mit Herzschwäche führen (dilatative Kardiomyopathie).

Gut zu wissen: Um eine dauerhafte Schädigung des Herzen zu vermeiden, ist die richtige und frühzeitige Diagnose entscheidend. Das MRI spielt bei der Diagnosestellung eine entscheidende Rolle.

MRI-Untersuchung bei Herzmuskelentzündung

Das Kardiologie-Team von ARISTRA
Suresh Ghoerbien
Suresh Ghoerbien

Experte für Cardio MRI
Suresh Ghoerbien ist Applikationsspezialist für MRI mit Schwerpunkt Cardio-MRI. Er hat über 25 Jahre Berufserfahrung in der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden. Seine Haupttättigkeiten für ARISTRA sind die Protokollpflege unseren Kunden- bzw. Partnerstandorte und die Implementierung von Untersuchungsprozessen wie der Cardio-MRI.
Suresh Ghoerbien ist Applikationsspezialist mit Schwerpunkt Cardio-MRI. Seine Tätigkeiten umfassen die Protokollpflege und die Einführung von Untersuchungsprozessen.
Marcel Sokolowski
Marcel Sokolowski

Facharzt für Radiologie
Experte für kardiale Bildgebung
Marcel Sokolowski ist Facharzt für Radiologie und Experte für kardiovaskuläre Bildgebung, insbesondere für die Magnetresonanztomographie des Herzens. Er war viele Jahre im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universitätsklinik Köln tätig.
Marcel Sokolowski ist Facharzt für Radiologie und Experte für kardiovaskuläre Bildgebung, insbesondere für die Magnetresonanztomographie des Herzens.

Sicher diagnostizieren lässt sich eine Myokarditis mittels MRI-Untersuchung des Herzens oder durch eine Herzmuskelbiopsie. Die Biopsie ist aufgrund des Risikos von Komplikationen in der Regel schweren Fällen vorbehalten. Da mittels Biopsie nicht alle Herzabschnitte erreicht werden können, besteht zudem die Möglichkeit, dass lediglich Proben mit gesundem Herzmuskelgewebe entnommen werden, obwohl eine Erkrankung vorliegt. Deutsche und internationale Leitlinien empfehlen daher ein MRI bei Verdacht auf eine Herzmuskelentzündung.

Bei einem MRI wird das gesamte, schlagende Herz dargestellt und es ist möglich die Dimensionen und Leistung des Herzens exakt zu bestimmen. Auch andere Ursachen für Beschwerden, die einer Herzmuskelentzündung ähneln, können mittels MRI erkannt werden.

Wichtiger Bestandteil der Untersuchung ist die Kontrastmittelgabe, da sich das Kontrastmittel in den entzündeten Bereichen in typischer Form anreichert (Bild). Zudem werden parametrische Karten des Herzens erstellt, die mittels Softwareauswertung Informationen über die Zusammensetzung des Herzgewebes liefern (sog. Mapping). Diese Befunde im MRI deuten auf eine Entzündung hin:

  • Eingeschränkte Kontraktion
  • Störung der Herzwandbewegung
  • Kontrastmittelanreicherung in den äusseren Schichten der Herzwand
  • Flüssigkeit im Herzmuskel und Herzbeutel
  • Herzschwäche

Das Herz-MRI dauert etwa 45 Minuten. Die/der Patient:in liegt dabei bequem auf dem Rücken. Ein sicheres Kontrastmittel sorgt bei der Untersuchung für eine gute Beurteilbarkeit der Bilder. Moderne MRI-Kontrastmittel sind sehr gut verträglich und können auch bei Schilddrüsenerkrankungen sowie leichter bis mittelgradiger Nierenschwäche gegeben werden.

Unsere Radiolog:innen besprechen den Befund direkt im Anschluss an die Untersuchung mit Ihnen. Welche Auslöser einer Myokarditis zugrunde liegen, lässt sich meist anhand der Krankengeschichte eingrenzen. Die konkrete Behandlung nimmt stets Ihr:e überweisende:r Ärzt:in vor.

Gut zu wissen: Eine körperliche Untersuchung sowie ein Elektrokardiogramm (EKG) sind in der Regel nicht ausreichend, um eine Myokarditis zu diagnostizieren bzw. auszuschliessen.

Mehr zum Herz-MRI bei ARISTRA

Einer Myokarditis vorbeugen

Manche Auslöser einer akuten Herzmuskelentzündung lassen sich vorbeugen. Ein Infekt sollte immer umfassend auskuriert werden. Je nach Schwere der Grippe ist eine körperliche Schonung zwischen zwei und vier Wochen sinnvoll. Bei den nichtinfektiösen Ursachen ist die Behandlung der Grunderkrankung entscheidend (z. B. Rheuma). Falls Medikamente oder Giftstoffe als Auslöser identifiziert werden können, sollten diese ersetzt bzw. gemieden werden.

Einer rheumatoiden Herzmuskelentzündung lässt sich vor allem durch die richtige Behandlung des Rheumas zuvorkommen. Schieben Sie Arztbesuche auch hier nicht auf die lange Bank.

Grundsätzlich gilt jedoch wie bei allen Erkrankungen: Ein gesundes Immunsystem kann Infektionen leichter überwinden. Regelmässige Bewegung, gesunde Ernährung und möglichst wenig Stress sind hierfür zentral.

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